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Methodik · Rechenregel v1.0

Wie wir konservative Werte rechnen

Herstellerangaben zur Zuladung beschreiben in aller Regel den Punkt, an dem eine Plattform noch schwimmt — nicht den, an dem man sicher darauf angelt. Zwischen beiden liegt der Unterschied zwischen einer Produktbeschreibung und einer Kaufentscheidung.

Drei Festlegungen

Zwei Zahlen, nie eine. Die Herstellerangabe bleibt immer sichtbar. Der konservative Wert steht daneben, nicht an ihrer Stelle.

Jede Annahme ist benannt. Wo eine Zahl aus einer Norm stammt, wird die Norm genannt. Wo sie redaktionelle Festlegung ist, steht das dabei.

Die Regel trägt eine Version. Ändert sie sich, bleibt nachvollziehbar, was vorher galt.

Regel A — konservative Nutzlast

Vor jeder Rechnung steht der Prüfschritt: Was enthält die Herstellerangabe bereits? Ist der Motor enthalten, wird er kein zweites Mal abgezogen. Lässt sich die Frage aus den Quellen nicht beantworten, geben wir keinen konservativen Wert aus — eine sichtbare Lücke ist besser als eine erfundene Zahl.

Der Sicherheitsfaktor richtet sich danach, wie belastbar die Angabe ist: Angaben aus einem Prüfverfahren bekommen einen kleineren Abschlag als Angaben aus der Produktvermarktung. Es handelt sich um redaktionelle Festlegungen, nicht um Normwerte.

Schlauchboot mit CE-Plakette 0,85
Aluboot mit CE 0,85
Jonboot mit CE 0,85
Festrumpf mit CE 0,85
Angelkajak 0,70
Faltboot 0,70
Packraft 0,70
Belly Boat 0,70
Fishing-SUP 0,65
Zusatzfaktor stehende Nutzung 0,90

Regel B — Standardannahmen

Alle Werte sind in den Rechnern überschreibbar; der Standardwert ist gekennzeichnet.

Person, Körpergewicht 85 kg
Bekleidung, Weste, Schuhe 5 kg
dieselbe Position mit Wathose 7 kg
Angelausrüstung je Person 8 kg
Verpflegung und Kleinteile 3 kg

Regel C — Reserve und Warnstufe

Ablauf in drei Schritten: Herstellerangabe mal Klassenfaktor ergibt die konservative Nutzlast, davon werden Personen und Ausrüstung abgezogen, das Ergebnis wird als Reserve in Prozent einer Warnstufe zugeordnet.
Von der Herstellerangabe zur Warnstufe, am Beispiel eines Angelkajaks.

Reserve über 25 % heißt: trägt mit Spielraum. Zwischen 10 und 25 %: trägt, ohne Spielraum für Zuladung. Darunter ist ein Systemwechsel nötig. Bei negativer Restzuladung geben wir aus, wie viel fehlt.

Selbst nachrechnen

Regel D und E — Energie und Laufzeit

Von der Nennkapazität bleibt nach Entladetiefe, Temperatur und Systemverlusten deutlich weniger übrig, als auf dem Akku steht. Die Laufzeit geben wir deshalb als Korridor aus, nie als Einzelwert — der ungünstigste Fall steht links, weil danach geplant wird.

Entladetiefe LiFePO₄ 0,85
Entladetiefe Lithium-Ionen (NMC) 0,85
Entladetiefe Blei AGM 0,5
Entladetiefe Blei Gel 0,5
Entladetiefe Blei nass 0,5
Systemwirkungsgrad 0,92
Lastanteil hohe Last 85 %
Lastanteil typisch 35 %
Lastanteil sparsam 20 %

Laufzeit berechnen

Umgang mit Lücken und Widersprüchen

Fehlt ein Wert in allen Quellen, bleibt das Feld leer und ist als „nicht angegeben" gekennzeichnet. Widersprechen sich Quellen, rechnen wir mit dem niedrigeren Wert und weisen beide aus. Ist die Bezugsgröße unklar, geben wir keinen konservativen Wert aus. Eine sichtbare Lücke stärkt die Glaubwürdigkeit; eine erfundene Zahl zerstört sie.

Grenzen und Vorbehalt

Diese Werte sind Planungshilfen für die Vorauswahl. Verbindlich bleiben CE-Typenschild, Herstellerhandbuch und das Recht des jeweiligen Gewässers. Sie ersetzen weder eine Sicherheitsbewertung im Einzelfall noch die vorgeschriebene Sicherheitsausrüstung.

Nachjustierung ist eingeplant. Sobald eigene Messungen vorliegen, stellen wir den gemessenen Wert dem Regelergebnis gegenüber. Weicht die Regel systematisch ab, passen wir den Faktor an — und veröffentlichen die Anpassung.